Korbinian Viechter

Als Infanterist zum Ritterkreuz

Das Ritterkreuz des Eisernen Kreuzes war die höchste Tapferkeitsauszeichnung, die an deutsche Soldaten im Zweiten Weltkrieg verliehen werden konnte.

Ein Träger dieser Auszeichnung war Korbinian Viechter. In diesem Buch schildert er seine Erlebnisse aus den Jahren des Krieges und der Gefangenschaft. Er schildert den Kampf als Infanterist in Frankreich und an den Fronten im Osten bis zum bitteren Ende.

Als sichtbares Zeichen für seinen Einsatz trug er bei Kriegsende unter anderem neben der Nahkampfspange in Silber auch das Verwundetenabzeichen in Gold, für insgesamt 9 erlittene Verwundungen. Bei Kriegsbeginn noch einfacher Schütze, geriet er im Mai 1945 als Oberleutnant in russische Gefangenschaft. Die folgenden Jahre überstand er nur durch die Hilfe eines russischen Arztes und die schützende Hand eines NKWD-Offiziers.

Das Buch ist der Erlebnisbericht eines Mannes, dem es nicht vergönnt war, über sein Schicksal selbst entscheiden zu können, und der gleichzeitig ohne Reue und Pathos auf diesen Teil seines Lebens zurückblickt.

ISBN 978-3-00-019264-7

5. überarbeitete Auflage

  
208 Seiten, 34 bisher unveröffentlichte Fotos, Hardcover, gebunden.

19,90 Euro zzgl. Verpackung und Versand.

 

Auszug aus dem Inhalt

 

" ... In der restlichen Zeit der Nacht war es sehr unruhig, vor unseren Stellungen wurde es sehr laut, die Russen fuhren mit ihren Panzern in Stellung, jedoch befanden sie sich noch unten am Hang, so daß wir sie noch nicht sehen konnten. Gegen 4 Uhr begann ein wahnsinniges Trommelfeuer. Mein Gefechtsstand lag in einem kleinen Ort, bestehend aus nur wenigen Häusern, überall lagen die Einschläge. Ich raste mit meinem Kompanietrupp schnell nach vorne in die Stellungen. In der Zwischenzeit waren die Russen mit ihren Panzern bereits zum Angriff angetreten. Ich konnte nur noch sehen, wie bereits erste Teile meines Grabenabschnittes die Hände hoch hoben und sich in Gefangenschaft begaben. Was sollten sie auch machen? Wir hatten keine Panzerabwehr, keine Artillerie und auch keine Panzerfaust. Was will man sonst gegen Panzer machen? Sterben? Sie hatten folgerichtig die Hände hoch genommen.

 

Ich versuchte nun, mit meinem Kompanietrupp so schnell wie möglich wieder zurück zu kommen. Aber die Panzer waren bereits im Ort. Ich hatte noch 6 Mann um mich herum. Nicht weit von uns war ein kleines Haus. Ich wußte, daß zu jedem dieser Hütten ein Außenkeller gehörte, wo die Russen ihre Rüben, Kartoffeln und das Gemüse aufbewahrten. Einer meiner Leute konnte sehen, daß die Leiter sich noch in diesem Loch befand. Dort suchten wir nun Zuflucht. Ich ging als Letzter in diese Öffnung im Lehmboden, blieb auf der Leiter stehen und beobachtete die Lage.

 

Fast vor unserem Loch fuhr ein Panzer vorbei, blieb stehen, die Klappe ging auf und der Panzerführer schaute heraus. Ich stand noch immer auf der Leiter, drehte mich nach unten und verlangte: „Ein Gewehr, schnell!“ Sie gaben mir kein Gewehr, das war auch richtig, es war zu riskant. Mich hatte das Jagdfieber ergriffen. Der Panzer fuhr weiter.

 

Wir warteten auf eine günstige Gelegenheit, um aus unserem Loch wieder heraus zu kommen. Am hinteren Rand des Ortes begannen Sonnenblumenfelder. Ich machte meinen Leuten klar, daß wir versuchen müßten, diese zu erreichen. Jetzt wollten wir es versuchen. Doch kaum waren wir aus dem Loch heraus, kamen schon wieder einige Panzer an. Wir hatten keine Möglichkeit mehr, zusammen zu bleiben und stoben auseinander. Ich konnte noch beobachten, wie einige wieder ins Loch zurück sprangen. Ungefähr 20 Meter davon entfernt lag ein Haufen Mais- oder Sonnenblumenstroh herum. Dort suchte ich meine Deckung, ich haute mich in den Haufen hinein und deckte noch etwas Stroh über mich. Die Panzer fuhren weiter, sie hatten uns nicht bemerkt. ... "

 

 

 

Geboren wurde Korbinian Viechter am 27. November 1914 im bayerischen Großhöhenrain. Nach Besuch der Volksschule ergriff er den Beruf eines Maurers. Noch bevor im Deutschen Reich im Jahr 1935 die Allgemeine Wehrpflicht wieder eingeführt wurde, meldete sich Viechter im Frühjahr 1934 für eine 1 1/2-jährige freiwillige Dienstzeit. Er unterbrach so sein Berufsleben und rückte am 3. April 1934 beim Grenadierregiment 19 ein. Dieses Regiment gehörte zur 7. Infanteriedivision und lag in München. Bereits in dieser Zeit zeigten sich seine menschlichen Eigenschaften, die ihn auf seinem späteren militärischen Weg auszeichnen sollten. Viechter war stets bereit, sich für seine Kameraden einzusetzen und gegen Ungerechtigkeiten anzukämpfen, auch scheute er nicht davor zurück, sich dabei mit Vorgesetzten auseinanderzusetzen. Letzteres führte jedoch dazu, daß er im Oktober 1935 mit Ende seiner Wehrdienstzeit als einfacher Schütze entlassen wurde.

Korbinian Viechter kehrte in seinen erlernten Beruf zurück. Doch vor der Kulisse des drohenden Krieges mußte er Ende August 1939 erneut von seiner Familie Abschied nehmen. Im Raum Rosenheim - Bad Aibling wurde die 212. Infanteriedivision aufgestellt. Viechter kam zur 4. Kompanie / Infanterieregiment 320. Mit dieser Einheit erlebte er den Jahreswechsel 1939 / 1940 als Grenzsicherung am Westwall. Schnell erkannte sein Bataillonskommandeur seine Fähigkeiten und schickte ihn auf einen Unteroffizierslehrgang. Am 1. Januar 1940 wurde Viechter zum Unteroffizier befördert und zum Gruppenführer eines Granatwerfertrupps ernannt.

Im Frankreichfeldzug des Jahres 1940 mußte er zum ersten Mal die ihm anvertrauten Soldaten im Einsatz führen. Viechter sammelte erste Kampferfahrungen, erlitt seine erste Verwundung und wurde am 9. Juli 1940 mit dem EK II ausgezeichnet.

Nach Ende des Krieges im Westen verblieb die 212. Infanteriedivision zuerst als Besatzungstruppe in Frankreich und kehrte danach in die Heimat zurück. Innerhalb des Bataillons wurde nun ein ganzer Granatwerfer-Zug aufgestellt, als Zugführer wurde Unteroffizier Viechter ernannt. Er sorgte in den kommenden Monaten für eine gründliche Ausbildung der noch jungen Soldaten. Seine Position als Zugführer wurde mit der Beförderung zum Feldwebel am 1. März 1941 gefestigt.

Am 21. Juni 1941 begann der Krieg gegen die Sowjetunion. Im Oktober 1941 wurde die 212. Infanteriedivision, bis zu dieser Zeit in der Heimat verblieben, ebenfalls an die Front in Marsch gesetzt. Es folgten schwere Kämpfe im Raum Leningrad und in der Zeit des Jahreswechsels 1941/ 42 am Wolchow. Mehrfach konnte Viechter mit seinen Granatwerfern schwierige Situationen bereinigen. Für diesen Einsatz wurde er am 8. Mai 1942 mit dem EK I und am 22. Mai mit dem Infanteriesturmabzeichen ausgezeichnet, wenige Tage darauf erfolgte auch die Beförderung zum Oberfeldwebel.

Am 6. Juni 1942 wurde er während eines Gefechtes verwundet, ein Lazarettaufenthalt in der Heimat war die Folge. Viechter kam zur Ausheilung nach Ingolstadt. Im August 1942 wurde ihm nach seiner Genesung eine neue Aufgabe zugewiesen. Er erhielt eine Kommandierung auf den Truppenübungsplatz Hohenfels. Dort sollte er, als erfahrener Rußlandkämpfer, als Leiter einer Waldkampfbahn die Ausbildung junger Soldaten unterstützen. Im November 1942 nach Ingolstadt zurückgekehrt, fand er dort Verwendung als Ausbilder von Offiziersbewerbern.

Im April 1943 überredete ihn sein alter Bataillonskommandeur, doch selbst die Laufbahn eines Offiziers einzuschlagen. So kam Viechter zu einem Offizierslehrgang nach Wiener Neustadt. Am Ende dieses Lehrgangs wurde er mit Wirkung zum 1. August 1943 zum Leutnant d.R. befördert. Dem folgte eine erneute Verwendung an der Ostfront. Viechter wurde in die 167. Infanteriedivision versetzt und er übernahm dort im Grenadierregiment 315 die Führung über die 8. Kompanie. Die Kämpfe im Südabschnitt des Jahres 1943 erforderten auch von ihm höchsten Einsatz. Als Ende November 1943 den Sowjets ein Durchbruch durch die Linien der Division gelang, konnte er einen Teil seiner Leute erfolgreich zu den eigenen Linien zurückführen. Dabei wurde er erneut verwundet. Es folgte wiederum ein Lazarettaufenthalt und eine kurzzeitige Rückkehr in die Heimat.

Nach erneuter Ausheilung kam Viechter im Februar 1944 erst zur Führerreserve Süd und erhielt wenig später die Kommandierung zur 46. Infanteriedivision. Hier übernahm er als Kompanieführer die 4. Kompanie im Grenadierregiment 42. Die Fronten im Osten gingen immer weiter zurück und die Kampfstärken der deutschen Einheiten schmolzen dahin. Nach der Rückführung der Division aus Rumänien drohte in den Karpaten Ende September 1944 die Einschließung durch nachdrängende sowjetische Verbände. Leutnant Viechter erhielt den Auftrag, mit einer schnell zusammengestellten Einheit eine wichtige Anmarschstraße zu sperren und so der Division den Rückzug zu ermöglichen. Diese Aufgabe glich einem Himmelfahrtskommando. Doch ihm gelang die Durchführung, ohne einen eigenen Mann zu verlieren. Für diese große soldatische Leistung wurde Korbinian Viechter am 20. Oktober 1944 mit dem Ritterkreuz des Eisernen Kreuzes ausgezeichnet. Weiterhin erfolgte die Beförderung zum Oberleutnant d.R..

Bei den anschließenden Kämpfen wurde er erneut verwundet. Wiederum kam es zu einem kurzen Aufenthalt in der Heimat. Ende Oktober 1944 kehrte Viechter erneut an die Front zurück und übernahm als Kompaniechef die 13. Kompanie im Grenadierregiment 42. Es folgten die schweren Rückzugskämpfe des Jahres 1945 in Ungarn und in der Slowakei. Viechter selbst wurde noch am 28. April 1945, wenige Tage vor Ende des Krieges, erneut schwer verwundet. Es war dies seine 9. Verwundung. Dafür trug er längst das Verwundetenabzeichen in Gold. Auch war er Träger der Nahkampfspange in Silber.

Aufgrund seiner Verwundung völlig hilflos, geriet er wie viele seiner Kameraden in sowjetische Gefangenschaft. Nach der Ausheilung seiner Wunden kam Viechter im September 1945 erneut nach Rußland, in ein Gefangenenlager im Kaukasus. Auch hier setzte er sich stets für seine ihm anvertrauten Männer ein. In einer Auseinandersetzung mit sowjetischen Wachposten erhielt er im Dezember 1945 eine lebensgefährliche Kopfverletzung. Nur das Können eines russischen Arztes rettete ihm das Leben und die schützende Hand eines jungen NKWD-Offiziers bewartete ihn vor einer Verurteilung. Es folgten jedoch noch 4 weitere schwere Jahre in Kriegsgefangenschaft. Nur der Gedanke an die Heimat und an die Familie ließen ihn diese Zeit überstehen. Erst mit Beginn des Jahres 1950 kehrte Korbinian Viechter in seinen Heimatort zurück, wo er in den folgenden Jahrzehnten ein erfülltes Leben führen konnte, ehe er am 12. Februar 2006 verstarb.

 

 

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